Pekiti-Tirsia Kali Karlsruhe

"We believe in success, not in failure.", Grand Tuhon Leo T. Gaje, Jr.

Pekiti-Tirsia Kali

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Offene Hände des Pekiti Tirsia

In der westlichen Kultur wird der waffenlose Kampf im allgemeinen mit dem Gebrauch der Faust assoziiert. Im Gegensatz zu dieser bei Laien vorherrschenden Meinung gibt es unter erfahrenen Nahkampfexperten Einigkeit darüber, dass Kampftechniken mit der offenen Hand äußerst wirkungsvolle und praxistaugliche Methoden zur Selbstverteidigung sind, die in der Praxis gegenüber Fausttechniken viele Vorteile haben.

Pekiti Tirsia wurde von Anfang an für die sinnvolle Verteidigung im wirklichen Leben konzipiert und basiert auf der praktischen Erfahrung von Generationen. Entsprechend gibt es im Pekiti Tirsia System eine Vielzahl von Prinzipien und Methoden für die effektive Anwendung der offenen Hände im Kampf. Den Techniken mit offener Hand wird sogar eine höhere Bedeutung als den Fausttechniken zugeschrieben. Warum dem so ist, ist leicht nachzuvollziehen, wenn man weiß, dass Pekiti Tirsia ein Selbstverteidigungssystem ist, das die Möglichkeit und Realität der Waffe in der Selbstverteidigung konsequent und von Anfang an in das Training mit einbezieht.

Dieser Text erläutert einige der Gründe, warum offene Hände bevorzugte Körperwaffen zur Selbstverteidigung sind, und warum auch erfahrene Profis im Ernstfall gerne auf Techniken mit der offenen Hand zurückgreifen.

Offene Hand als Körperwaffe der Wahl...

Einer der Gründe, warum Kenner das Pekiti Tirsia System besonders schätzen, ist der konsequente und effektive Einsatz von ungewöhnlichen Kampfmethoden, wie zum Beispiel Beinangriffe (tranka), Dumog-Brechen (bali), Zug und Stoß (hablot-tiklod), Unterarm-Schläge (banga) oder die Hammerfaust (pokol), welche das Arsenal der eher verbreiteten Standardtechniken, wie Fußtritte (sipa) und Schläge bzw. Stöße mit Handballen (tampa), Ellbogen (siko), Knie (tuhod) und Kopf (bungo), sowie Sekundärtechniken wie Quetschen/Zwicken (kosi) und Beißen (kagat) etc. ergänzen und unterstützen.

Doch selbst mit dieser Vielfalt an waffenlosen Verteidigungsmethoden kommt die wohl mächtigste und am vielseitigsten anwendbare Körperwaffe zur Selbstverteidigung aus dem Bereich der Techniken mit offenen Händen: Hampak – der Power Slap.

Für ein Trainingssystem mit Waffenbewußtsein, wie das Pekiti Tirsia, sind Pokol Hammerfaustschläge und Slaps mit der offenen Hand eine naheliegende Wahl für primäre Handtechniken.

Die Gründe sind leicht nachvollziehbar: Gibt man jemandem eine Waffe oder ein Werkzeug, wie zum Beispiel ein Schwert, einen Stock oder eine Axt, und fordert ihn auf, damit schnell einen Baum zu fällen oder etwas stabiles zu zerstören, dann wird diese Person mit dem Schwert, Stock oder der Axt selbstverständlich keine Stiche sondern Schläge als die kraftvollste Technik gebrauchen.

Pekiti Tirsia Trainer haben als Experten im bewaffneten und unbewaffneten Kampf viel Erfahrung und verstehen sehr wohl, dass gewöhnliche Faustschläge die Bewegungscharakteristik eines Stiches haben, während Schlagtechniken mit Unterarm, Hammerfaust oder der offenen Hand den natürlichen Schwungbogen eines Schlages ausnutzen und so enorme Wirkung entfalten können.

Schwachstelle Faust

Der Körper kann mit Schlägen enorme Kraft entfalten – dies ist gut zum Kämpfen – die bloße Faust jedoch ist nicht geeignet, diese Kraft auf solide Ziele zu übertragen, ohne dabei selbst verletzt zu werden. Boxer lösen dieses Problem, indem sie Bandagen und Boxhandschuhe zum Schutz ihrer Fäuste verwenden. Das funktioniert auch, denn in der Tat erlauben Bandagen und Handschuhe den Boxern in Wettkampf und Training mit großer Wucht zuzuschlagen ohne die Fäuste zu verletzen. Nebenbei ergaben sich für Boxer aufgrund der Einführung der Handschuhe, die ja dicker sind als die ungeschützte Faust, auch neue Verteidigungsmöglichkeiten.

Die Einführung von Bandagen und Handschuhen änderte also nicht nur die Boxtechnik, sondern wichtiger noch, es versteckt auch die Tatsache, dass die Faust in Wirklichkeit ein zerbrechlicher Teil des Körpers ist.

Wenn die Faust ohne Schutz verwendet wird, können viele zum Teil schwere Verletzungen vorkommen, wie zum Beispiel in dem folgenden Auszug aus einem medizinischen Fachartikel beschrieben:

»Verletzungen der geschlossenen Faust: Diese [...] treten auf wenn jemand einer anderen Person in den Mund schlägt. [...] Bisse in die Knöchel sind sehr ernst zu nehmen. Es gibt dabei ein großes Infektionsrisiko. Einmal infiziert können diese Bisse zu größerem Schäden an wichtigen Teilen der Hand führen. Zusätzlich kann die Kraft eines Schlages auf den Mund einer Person zu gebrochenen Knochen und oder Schnitten in den Sehnen führen, welche die Behandlung durch Spezialisten erforderlich machen.«

Übersetzung vom Englischen ins Deutsche aus einem Artikel von www.Emedicine.com über menschliche Bissverletzungen. Autor des Originals ist der Professor für Humanmedizin Robert M McNamara, MD, FAAEM, Chief, Professor, Department of Internal Medicine, Section of Emergency Medicine, Temple University

Die Schwachstelle Faust ist ein bekanntes Problem, und jeder mit etwas Unterrichts- oder Kampferfahrung weiß, dass die Fähigkeit, einen soliden Fauststoß zuverlässig auf ein bewegliches Ziel wie zum Beispiel einen schweren Sandsack zu landen, über Monate wenn nicht Jahre guten Trainings entwickelt werden muss. Einen effektiven Faustschlag bei einem sich bewegenden Ziel (z. Bsp. Kopf eines sich bewegenden Gegners) anzubringen ist noch schwieriger. Jeder Boxexperte kann seine eigene Geschichte dazu erzählen.

Selbstverteidigung mit der offenen Hand

Wenn es darum geht, Selbstverteidigung sinnvoll zu vermitteln, dann ist Zeit ein wichtiger Faktor: Niemand kann vorhersehen, wann die Fähigkeit zur Verteidigung zum ersten mal benötigt wird, und mitunter gibt es danach auch keine zweite Chance!

Aus diesem Grund ist es das Ziel des Pekiti Tirsia Trainings, die Anfänger so früh wie möglich in die Lage zu versetzen, reale Bedrohungs­situationen erfolgreich zu überstehen. Dazu müssen Methoden trainiert werden, die den unerfahrenen Einsteiger innerhalb kürzester Zeit mit ausreichender Schlagkraft ausstatten.

Aufgrund ihres Verständnisses von natürlicher Bewegung, Kampfstressverhalten und der Praxis der Rechtsprechung, bevorzugen Pekiti Tirsia Trainer die Methoden der offenen Hand. Dabei ist der Einsatz der Power Slaps das primäre konteroffensive Mittel des Selbstverteidigungssystems.

Auf die Natur aufbauend ...

Der Pekiti Tirsia Slap ist eine runde, sehr natürliche Bewegung, die ähnlich ist dem Werfen eines Steins oder der Bewegung, mit der eine störende Fliege aus der Luft gewischt wird. Weil der Slap also bereits Teil des natürlichen und instinktiven Kampfarsenals eines jeden Menschen ist, sind Anfänger schon nach kurzem Training in der Lage, diese Technik sicher auszuführen und kraftvolle Slaps gegen reale Ziele zu schlagen und zwar ohne sich dabei an der Hand zu verletzen. Es wurde wiederholt gezeigt, dass bei der Verwendung von Slaps 30 Minuten Übung ausreichen, um einen durchschnittlichen Beginner in die Lage zu versetzen, mit genügend Wucht zu schlagen, so daß ein stärkerer und schwererer Gegner besinnungslos und zu Boden geschlagen werden kann.

... bedeutet Verbesserung von Anfang an!

Bei Kampfsportarten, die nicht wie Pekiti Tirsia auf natürliche Bewegungsmuster zurückgreifen, sondern stattdessen als primäre Kampfmethoden künstliche, erst neu zu erlernende Techniken (z. B. Faust- und Ellbogenschlag) verwenden, ist oft zu beobachten, dass Anfänger erst einmal an Kampfkraft verlieren, bevor diese besser wird. Bei der Pekiti Tirsia Trainingsmethode ist dies nicht der Fall: Anstatt die natürlichen Gewohnheiten der Person komplett mit neu zu erlernenden Verhaltensmustern zu ersetzen, baut Pekiti Tirsia Training auf den natürlichen Gewohnheiten und Fähigkeiten auf und trainiert diese. Weil also Pekiti Tirsia auf die Natur des Menschen aufbaut, wird die Kampfkraft von der ersten Stunde an verbessert.

Zuverlässig, wenn es drauf ankommt!

Der Maßstab, an dem sich jedes Selbstverteidigungssystem messen lassen muss, ist der Schutz, den es in kritischen oder gar lebensbedrohlichen Situation bietet. Eine solche Situation wird immer anders erlebt als beim Training oder bei einem Turnier. Wenn eine in körperlichen Auseinandersetzungen unerfahrene Person mit einer wirklich kritischen Selbstverteidigungssituation konfrontiert wird, dann wird er oder sie sehr wahrscheinlich die Auswirkungen der menschlichen Stress- und Angstreaktion (die Alarmfunktion des Körpers auch bekannt als „Kampf- und Fluchtreflex“) zu spüren bekommen, die im folgenden sehr gut beschrieben wird:

In einer lebensbedrohenden Situation manifestiert sich der "Kampf- und Fluchtreflex". Dieser Reflex, der in Jahrtausenden von menschlichem Überlebenskampf feingeschliffen wurde, bewirkt eine Steigerung von Herzschlag und Herzleistung, höheren Blutdruck, beschleunigte Atmung, beschleunigten Kohlenhydratstoffwechsel, und eine praktisch sofortige totale Bereitschaft des Körpers.
[...]Stress, Wut und Angst, welche die Person übermächtigt haben, lösen ein körpereigenes Alarmreaktionssystem aus, dass eine deutlich größere Körperkraft und Schnelligkeit, begleitet von einer fast totalen Unempfindlichkeit gegen Schmerz, bewirkt. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit zu feinmotorischen Bewegungen und die Beweglichkeit drastisch ab. Hände, Arme und Beine können zittern. Die Person wird wahrscheinlich auch eine geänderte Situationswahrnehmung erleben. Man ist definitv nicht ruhig, kühl und gefasst.

Auszugsweise Übersetzung vom Englischen ins Deutsche aus dem Artikel “Self defence - Physiology/Psychology of a Gun Fight” (http://www.internetarmory.com/self_defense.htm)

Insbesondere der Verlust der Feinmotorik und die erhöhte Spannung des Körpers sind physiologische Effekte, die bei der Auswahl von Kampftechniken berücksichtigt werden müssen, mit denen Anfänger wirkungsvoll auf reale Selbstverteidigung vorbereitet werden sollen.

Viele Kampftechniken aus dem Kampfsport sind technisch sehr anspruchsvolle Bewegungen, die zunächst erlernt werden müssen und viel Trainingszeit benötigen, bis die für eine schnelle und präzise Ausführung der Technik notwendige Koordination entwickelt ist. Wenn nun in einer Gefahrsituation der Kampf- und Fluchtreflex einsetzt, und dieser die Feinmotorik zugunsten der gesteigerten Körperkraft abwürgt, dann verlassen mit der Feinmotorik auch die aufwendig erlernten technisch anspruchsvollen Bewegungen den Körper.

Auch der im Kampfsport verbreitete gerade Fauststoß gehört zu diesen künstlichen Bewegungen, deren Effizienz unter der instinktiven Streß- und Gefahrreaktion des Körpers leidet.

Zwar kann der gerade Fauststoß mit ausdauerndem und intensivem Training zur 'zweiten Natur' werden (dies ist der Grund, warum die meisten Kampfsportler sich der technischen Komplexität des Faustschlags nicht mehr bewusst sind), aber bei der Beobachtung ernster Straßenkämpfe – und sogar bei den professionell trainierten Kämpfern in gegenwärtigen Mixed Martial Arts-Veranstaltungen – ist zu sehen, dass die akkuraten geraden Fauststöße selten und weite Schwinger viel häufiger sind.

Anfängern gerade Faustschläge als das Selbstverteidigungsmittel zu unterrichten, auf das sie sich in einer lebensbedrohenden Situation verlassen sollen, die morgen schon eintreten kann, ist offensichtlich nicht der richtige Weg.

Slap: natürliche Power

Mit dem Slap des Pekiti Tirsia als primäres Verteidigungsmittel sind die physiologischen Effekte der menschlichen Alarmreaktion kein Problem. Im Gegenteil! Der Pekiti Tirsia Slap profitiert als natürliche Power-Bewegung von der Kampf und Fluchtvorbereitung des Körpers. Wenn der Körper eine gegenwärtige Gefahr wahrnimmt und die Überlebensinstinkte die Person für den totalen Kampf oder die Flucht „um alles oder nichts“ vorbereitet, indem er durch Hormonausschüttung alle normalerweise nicht zugänglichen Kraftreserven mobilisiert, dann macht der Körper das, wozu er entworfen wurde: Er verzichtet auf Feinkoordination zugunsten der kampfentscheidenden kräftigen Bewegungen und lädt auf diese Weise Slaps und andere natürliche Power-Bewegungen mit ungeahnter Kraft, wie sie der Körper nur in Ausnahmesituationen aufzubringen in der Lage ist.

Das ist mit ein wichtiger Grund, warum Techniken mit der offenen Hand für den Kampf in echter Gefahr perfekt geeignet sind. Wenn es wirklich ernst wird und die feinkoordinierte Bewegung des geraden Faustschlags nur noch schwer realisiert werden kann, dann zeigen Slaps erst ihre wahre Stärke: Wenn sie wirklich gebraucht werden, dann werden sie schneller und härter.

Für erfahrene Kämpfer und Profis ein Mittel zum Überleben!

Bei erfahrenen Kämpfern und Profis hat Adrenalin prinzipiell denselben Effekt. Jedoch durch Erfahrung sind sie daran gewöhnt. In ihrer Ausbildung haben sie gelernt, den Adrenalinstoß zu akzeptieren, zu kontrollieren und zu ihrem Vorteil einzusetzen. Darüber hinaus haben sie in jahrelanger Vorbereitung genügend Zeit, die benötigten Fertigkeiten so einzuschleifen, dass sie auch unter extremem Druck und in Gefahr noch erfolgreich operieren können. Dies ist der Grund, warum beispielsweise Profiboxer selbst unter dem Druck eines Titelkampfes noch mit fast perfekter Technik agieren können.

Schläge mit der offenen Hand (z. B. Innenhandschläge) sind aber auch im Boxsport bekannt. Sie werden im Boxen als „schmutzige Tricks“ angesehen und können zu einer verlorenen Runde oder gar zur Disqualifikation führen. Natürlich haben gute Boxer es nicht nötig solche Schläge zu verwenden – aber erfolgreiche tun es manchmal.

Im Gegensatz zum Profisportler ist bei den Profikriegern, wie zum Beispiel bei verdeckten Ermittlern, Mitgliedern von Einsatzkommandos, Präzisions-/Scharfschützen, Geiselrettungsteams und militärischen Fernaufklärungs- und Infiltrationseinheiten, die in der realen Welt des regellosen Überlebens agieren müssen, der Zweikampf gewöhnlich nicht das Hauptanliegen einer Mission. Er ist höchstens ein gebotenes Mittel zum Zweck, notwendig, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen und die Voraussetzungen zu schaffen, die benötigt werden, um die eigentliche Mission zu erfüllen. Im Gegensatz zum sportlichen Wettkampf, in dem für den Sieg auch kleinere Verletzungen in Kauf genommen werden dürfen, ist für Profis, die in der wirklichen Welt agieren, eine Verletzung der Hand meist keine Option, denn sie riskiert das Ziel der Mission. Eine Grundregel: Riskiere nicht die Hand, die zum schießen oder zum handhaben der für die Mission notwendigen Geräte gebraucht wird! Eine Hand, die durch den Aufprall bei einem Faustschlag angeschwollen ist oder zittert, beeinträchtigt die Fähigkeit, die Waffe zu handhaben oder mit Präzision zu schießen, was im schlimmsten Fall den eigenen Tod oder den Tod eines Kameraden bedeuten kann.

Der Pekiti Tirsia Slap

Der Pekiti Tirsia Slap ist eine spezielle Schlagmethode, die nicht mit dem Handballenstoß zu verwechseln ist. Vom schnellen Whipping-Slap zum wuchtigen Power Slap gibt es den Pekiti Tirsia Slap in vielen Versionen, die unterschiedliche Problemstellungen lösen. Der Pekiti Tirsia Slap kann zum Parieren, Kontrollieren oder zum Angriff für das zeitweise Stören der Sicht, der Balance oder einfach zum Niederschlagen des Gegners verwendet werden.

Slaps sind im Pekiti Tirsia jedoch nicht nur dazu da, den Gegner zu schlagen, sondern sie manipulieren dabei auch sein Gleichgewicht und seine Position, um seine Offensivmöglichkeiten einzuschränken. Pekiti Tirsia Slaps können auf eine Art ausgeführt werden, dass der Gegner sich selbst verletzt, wenn er seinen Angriff fortsetzt.

Der koordinierte Einsatz beider Arme ermöglicht durch den runden Weg des Slaps, gleichzeitig den ganzen Oberkörper von Kopf bis Unterleib zu schützen und dabei eine schnelle Folge von wuchtigen Schlägen auszuführen, die den Gegner in die Defensive drängen.

Bereits beim ersten Training trainieren Pekiti Tirsia Anfänger das Schlagen der Power Slaps. Für die meisten ist es eine erstaunliche Erfahrung. Kampfsportunerfahrene sind in der Regel überrascht, wie schnell sie mit den Slaps enorme Schlagkraft erzeugen können, und wie einfach es ist. Nach kurzer Zeit erzeugen die meisten bereits ausreichend Schlagkraft, um die Balance eines stärkeren Gegners zu brechen und ihn niederzuschlagen – beim Schlagtraining mit einem Partner, der die Pratze hält, spüren und sehen sie das auch. Wenn sie dann noch die Erfahrung machen, wie der Slap nicht nur zum Angriff, sondern gleichzeitig auch zum Parieren der meisten Attacken des Angreifers gebraucht werden kann, dann muss der Pekiti Tirsia Trainer sich oft Mühe geben, bei dem Anfänger nicht den Glauben an ein Allheilmittel aufkommen zu lassen. Noch mehr als reine Anfänger sind oft erfahrene Vollkontaktsportler nachhaltig beeindruckt über die zusätzliche Schlagkraft, die sie mit der offenen Hand erzeugen können.

Die Struktur der Pekiti Tirsia Schläge mit der offenen Hand ist einfach und das Geheimnis des sicheren und wuchtigen Schlagens ist die richtige Entspannung. Während die meisten Menschen sich leicht tun und von Anfang an effektive Schläge mit der offenen Hand ausführen, gibt es mitunter Fälle von Menschen, die Schwierigkeiten beim Schlagen effektiver Slaps haben, weil sie die Tendenz haben, sich bzw. den Arm vor dem Aufschlag anzuspannen. Dies findet sich besonders häufig bei Kampfsportlern, die bereits in anderen Kampfsportarten trainierten, in denen das Anspannen der Faust im Moment des Aufschlags empfohlen wird, oder allgemein bei Menschen, die den Unterschied zwischen Muskelanspannung im eigenen Körper und freigegebener Energie nicht verinnerlicht haben. Wird die Gewohnheit des Anspannens beim Slappen beibehalten, dann ist dies für den Schlagenden selbst doppelt gefährlich, weil die Steifheit durch die Anspannung nicht nur die Ausführungsgeschwindigkeit des Slaps reduziert, sondern auch Finger und Handgelenk verletzbar machen.

Auch wenn der Slap eine einfache und natürliche Bewegung ist, gibt es reichlich Möglichkeiten den Slap durch Training zu verbessern, z. B. Schlagwinkel für Raumschutz, Geschwindigkeit und Energietransfer zu optimieren. Für die Optimierung der Slap-Qualität gibt es im Pekiti Tirsia eine Vielzahl von unterschiedlichen Trainingsmethoden. Eine der besten für das richtige „Slappen“ ist die Verwendung der Kali-Stöcke zum Training. Weitere Übungsformen arbeiten z. B. mit einer Eisenkugel. Das Training des Slaps hat einen wichtigen Platz in jedem Pekiti Tirsia Workout.

'Gewonnen' und doch verloren?

Schon immer war das Risiko der Selbstgefährdung oder Selbstverletzung bei der Ausführung einer Kampftechnik ein Problem, das eine sinnvolle Kampfmethode betrachten und lösen musste. Mit unserem heutigen medizinischen Wissen hat sich jedoch die Perspektive verändert. Verstauchte Knöchel oder ausgerenkte Handgelenke sind mit moderner medizinischer Versorgung eher ein Problem für Soldaten und Spezialisten während einer Mission als für den normalen Bürger. Für die meisten Menschen ist eine im Kampf verstauchte Faust nicht wirklich ein ernsthaftes Problem, da die physische Auseinandersetzung typischerweise wenige Minuten nach dem Schlag vorbei ist, und die Hand kann dann medizinisch versorgt werden. Ein gebrochener Knochen oder ein überdehntes Gelenk wird normalerweise nach ein paar Wochen oder Monaten vergessen sein – viel schwerwiegender in den Folgen ist jedoch das Problem eines Blutkontaktes.

Ein Treffer mit der Faust am Kopf verursacht als typische äußere Verletzung eine stark blutende Platzwunde. Ebenso ist es nicht unwahrscheinlich, dass bei dem Schlag mit der Faust auch die Haut über den Schlagknöcheln aufgekratzt wird (typischerweise eine offene und weniger stark blutende Wunde), so dass beim Auftreffen der Faust über die Knöchelwunde Blut vom Gegner in den Körper des Schlagenden gelangen kann. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, kann es doch sein, dass auf diese Weise AIDS (HIV), Hepatitis oder andere Blutkrankheiten übertragen werden. Eine Auseinandersetzung „gewonnen“ zu haben und dann mehrere Monate mit der Sorge und Ungewissheit leben zu müssen, ob die andere Person vielleicht ein Träger einer Blutkrankheit war, ist sicher nichts was man gerne erleben möchte. Ganz zu schweigen davon, was ist, wenn man sich tatsächlich infiziert hat.

Sicherlich kann niemand die Gefahr eines Blutkontaktes in einem ernsten Kampf komplett vermeiden, aber der Gebrauch der Pekiti Tirsia Slaps reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Blutkontaktes deutlich, weil durch den Schlag in der Regel keine offenen Wunden an der schlagenden Hand verursacht werden. Mit unserem heutigen Wissen über Blutkrankheiten – warum sollte man nicht die Möglichkeit wählen, die das Risiko nach einem 'gewonnenen' Kampf letztendlich doch verloren zu haben, drastisch reduziert?

Offene Hand für Situationskontrolle und Konflikt-Management

Ein weiterer Grund, warum Slaps sich sehr gut für eine zeitgemäße zivile Selbstverteidigung eignen, ist dass die Methoden der offenen Hand sehr gut zu einer Körpersprache passen, die natürlich ist und auf den Aggressor ebenso wie auf unbeteiligte Dritte (spätere Zeugen) sicher und zugleich nicht-herausfordernd und friedfertig wirkt. Dies bietet eine ideale Ausgangsbasis für Deeskalationsstrategien, um aus starker, aber offensichtlich friedfertiger Position kritische Situationen zu entschärfen, ohne zu körperlicher Gewalt greifen zu müssen. Dies ist immer eine bevorzugte Option im Pekiti Tirsia.

Die Slap-Methoden zeigen ihre speziellen Möglichkeiten besonders gut in Kombination mit den Chambering- und Monitoring-Methoden des Pekiti Tirsia Systems. Die Kombination aus den genannten Methoden bieten eine Vielzahl an taktischen Möglichkeiten. Sie erlaubt beispielsweise, die Intention des Gegenübers aus gesicherter Position zu testen, ihm zum Beispiel während eines kontrollierten Zeitfensters die Gelegenheit zu einem – für ihn nur scheinbar – „sicheren“ ersten Schlag zu geben, der allerdings erwartet wird und schon gestoppt und unter Kontrolle ist, bevor der Schlag richtig gestartet wurde. Bei Anwendung dieser Taktik hat der aggressive Angreifer bereits in dem Moment verloren, in dem er den Köder nimmt und die offensichtlich „ahnungslose leichte Beute“ angreift.

Die Geste der offenen Hand

Die Methode der offenen Hand versinnbildlicht wie keine andere die Pekiti Tirsia Philosophie, sich Freunde und keine Feinde zu machen. Wer Pekiti Tirsia versteht, lebt sein Leben mit der Kultur der Selbsterhaltung in einer positiven Aufmerksamkeit, die es erlaubt, entspannt nach Freunden Ausschau zu halten und dabei Feinde frühzeitig zu erkennen.

Weil Pekiti Tirsia der Philosophie des Lebens folgt und in sich eben diese Philosophie des Lebens, der Gesundheit und des Erfolges manifestiert, warten Pekiti Tirsia trainierte Menschen nicht mit geballten Fäusten auf etwaige Feinde, sondern sie genießen die Schönheit des Lebens, empfangen Freunde mit offenen Händen und sind dabei bereit für was auch immer kommen möge.

Slaps: Der Kreis schließt sich

Wie dargelegt entspricht der Gebrauch der offenen Hand der Pekiti Tirsia Philosophie, sich lieber Freunde als Feinde zu machen. Oder in anderen Worten: Pekiti Tirsia verwendet die Philosophie der offenen Hand und nicht die der Faust. Jedoch nach Lesen dieses Artikels sollte klar sein: der Gebrauch des Slaps ist nicht ein Zugeständnis an diese Philosophie. Er ist das Ergebnis der zeitlosen Logik des Selbstschutzes in unserer menschlichen Gesellschaft. Ein Resultat von Körpersprache, Schlagphysik und dem Verständnis von Strategie und Taktik in einer Selbstverteidigungssituation.

Wie sich Slaps auf einer Kreisbahn bewegen, so passt mit einem gründlichen Verständnis des Slaps und der bevorzugten Pekiti Tirsia Taktiken alles nahtlos zusammen: Philosophie, Natur des Menschen, Kultur, Selbstverteidigung, Effizienz, Rechtssprechung, Lebensfreude, körpergerechtes und gesundes Training - all dies ergänzt sich im Pekiti Tirsia wie bei einem perfekten Kreis zu einem einheitlichen Ganzen.


Autor: Uli Weidle, März 2003